Wir wünschen brummeliggemütliche Weihnachten

Der Alte wünscht Frohes Fest

Der Alte ist heute morgen in einer ungewohnt besinnlichen Stimmungslage. Es ist überraschend still, als ich die Küche betrete. Die giftige Stimmung der vergangenen Gespräche hat sich verflüchtigt.

„Sag mal,“ murmelt es mir entgegen, als ich mich mit meiner Kaffeetasse zu ihm setze, „kann ich auch so einen Zweig?“.

„Rute,“ erwidere ich, „Rute heißt das. Aber mal ehrlich, ich halte das für ein vollends veraltetes Bild, diese Begrifflichkeit vom ‚unartigen Kind‘. Wer heute noch so etwas …“

Der Mann mir gegenüber unterbricht mich verträumt, bevor ich mich vollends in Rage rede: „Nee, ich meine so eine Mistel zum Immerdabeihaben.“

Ein kleiner Rest Kaffee verlässt eilig meinen mittlerweile nicht mehr vollends geschlossenen Mund. Wir starren beide einen Moment auf die kleine kaffeefarbene Pfütze auf dem Tisch. Die äußere Ruhe entspricht nicht meinen wilden Gedanken hinter meiner Stirn. Schließlich entschließe ich mich zu einem vorsichtigen „Wozu benötigst du einen Mistelzweig?“.

Der Alte seufzt: „Ach, weißt du, ich bin es leid allein zu sein. Der Weihnachtsmann kommt immer allein. So viele andere sind wenigstens zu zweit: Dick und Doof, Winnetou und Old Shatterhand, Asterix und Obelix, …“

„Schon gut,“ unterbreche ich den Redefluss, „ich ahne das Prinzip. Allerdings mag ich mir nicht so recht vorstellen, was Winnetou und Old Shatterhand mit einem Mistelzweig angefangen hätten, bei Asterix hingegen….“

„Hör doch auf, dich über mich lustig zu machen.“

„Entschuldige.“ Wer kann denn ahnen, dass der Alte  amouröse Gedanken hegt. „Ich lasse mir was einfallen,“ verspreche ich – vielleicht etwas voreilig. “ Aber vorher musst du mir noch einen kleinen Gefallen tun und den Lesern ein „Frohes Fest“ wünschen. Einverstanden?“

„Wirklich? Du lässt dir was einfallen? Wunderbar.
OK, was soll ich tun?“

„Kannst du mal bitte hier die zwei Enden…?“

„Ach je, jetzt muss ich hier noch den Weihnachtskaspar geben. Hast du das selbst gebastelt, so sieht es jedenfalls aus. Was soll das denn heißen? Rohes Fest? Versteh ich nicht.“

„Mensch Alter, nun hast du schon die Brille auf und siehst das – zugegebenermaßen in der Farbwahl etwas ungücklich gewählte – F nicht.“

Ich glaube wir haben die Kurve gekriegt – der Tonfall mutet vertraut brummelig an, der Gesichtsausdruck liegt in der bekannten Grantelfaltenlage. Deshalb wünschen wir jetzt Euch allen schnell ein brummeliggemütliches Weihnachtsfest, an dem sich keiner stressen lässt, mit wunderbaren Getränken, vielleicht wundersamen Geschenken, mit knuspersüßen Plätzchen und nicht zu rührseligen Schwätzchen und allem was ihr Euch sonst noch so wünscht.

Herzliche Weihnachtsgrüße vom Alten und mir.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.