Kochblockade oder „Sind da Zwiebeln drin?“

Mit dem Essen spielt man...

Ich wollte meine Kinder nie anlügen. Das war einer meiner hehren Vorsätze, als der Erstgeborene noch ausreichend Platz in meinem Bauch hatte, um gemütlich schaukelnd im Fruchtwasser vor sich hin zu treiben. Ich muss nun – knapp 10 Jahre später – einräumen, ich habe ihn über Bord geworfen. Das gilt vor allem und ganz besonders, wenn wir am Esstisch sitzen.

Freitags, wenn ich meine Einkaufsliste für die Woche schreibe, marschiert sie auf, die Armee der üblichen Verdächtigen: Milchreis, Pfannkuchen, Fischstäbchen und Kartoffelbrei, Spaghetti mit Rührei, Salamipizza OHNE Käse oder Reis mit gebackenen Bohnen. Zugegeben, damit lässt sich eine Woche gut überstehen und es bietet sogar noch leidlich Abwechslung auf dem Esstisch. Aber was mache ich in der nächsten Woche?

WAS HABE ICH FALSCH GEMACHT? Der Zutaten-Pool aus dem ich schöpfen kann, erscheint mir von Woche zu Woche armseliger und extrem winzig. Mir ist durchaus bewusst, alles ist relativ. Beide Kinder essen schließlich Kartoffeln, Möhrchen, Gurke, Paprika (nur rot), Erbsen, Mais, Äpfel (nicht mit weicher Schale), Birnen, Tomaten, Bananen (isst nur einer von Zweien) und diverse Beerenfrüchte. ABER: Gekocht werden dürfen nur die Erbsen, Kartoffeln und der Mais. Alles anderen wird ausschließlich roh verzehrt. Der Erstgeborenen isst durchaus Käse, aber nur so vom Stück und niemals auf Brot oder auf der Pizza. Solange sich alle Bestandteile einer Mahlzeit sortenrein, gut erkennbar in Farbe und Gestalt, auf den Teller schmiegen, bin ich auf der sicheren Seite. Wobei schmiegen ein verzerrtes Bild der Realität vermittelt – zu große Nähe ist ausdrücklich unerwünscht.

Und so kam es, dass die Zwiebel das am meisten verleugnete Gemüse unseres Haushalts geworden ist. Auf die Frage: „Sind da Zwiebeln drin?“ antworte ich generell und reflexartig mit einem nachdrücklichen „Nein.“ Platz 2 dieser Parade an Nichtgewollten wird übrigens von Kräutern belegt. Eine weitere Auflistung nicht gewünschter Zutaten und Substanzen in gemeinsamen Mahlzeiten erspare ich mir an dieser Stelle. Liste träfe es auch nicht wirklich, Liste klingt so endlich… Soweit so schlecht. Nun kommt es vor, dass ich Unbelehrbare dennoch Gerichte serviere, die nicht unter die oben genannten 6 fallen. Immerhin werden sie meistens in homöopatischen Dosen probiert. Ich bin mir nicht sicher, ob man bei derart winzigen Versuchsmengen wirklich von Probieren sprechen kann… Folgende Szenarien sind danach denkbar:

  1. Das Gericht wird gekostet, für gut befunden und anstandslos aufgegessen. Zugegeben ein kühner Traum, aber man soll ja vom Träumen nicht vorschnell lassen.
  2. Der Erstgeborene antwortet auf meinen fragenden Blick, der sich wahlweise an Gabel oder Löffel festgeklammert hat mit: „Schmeckt.“ „Ich esse es aber trotzdem nicht.“ Heißt: „Ich erkenne an, dass du dir Arbeit für mich gemacht hast. Die Liebe im Essen schmeckt mir, der Geschmacksträger leider nicht. Ich esse lieber ein Brot.“
  3. Der Nestzwerg antwortet auf meinen fragenden Blick: „Ich habe Bauchschmerzen.“ Was soviel heißt, wie: „Ich bin quasi satt, ein kleiner bis großer Nachtisch ginge aber noch rein. An dem kann ich mich dann ja richtig satt essen. Solltest du Einwände haben, werde ich mich jetzt erstmal eine Weile schreiend unter dem Küchentisch wälzen.“

Die Ablehnung von Essen durch den Nestzwerg erfolgt mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit, wenn sie schlechte Laune hat. Schlechte Laune hat sie in der Regel, wenn sie hungrig ist. In unserer Küche wird viel gewälzt. Gut, dass wir dort keinen Teppich haben, der hätte vermutlich schon eine kahle Stelle…

 

 

 

2 Gedanken zu „Kochblockade oder „Sind da Zwiebeln drin?“

  1. stefanie sagt:

    hallöchen!
    ich liebe solche alltags geschichten und du schreibst einfach so schön!

    ich habe wieder gerne bei dir gelesen, heute leider ohne eigenes posting zu „kind of art“

    sonnige grüße!
    stefanie

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