Innere Ordnung beginnt im Badezimmerschrank oder Superheldentraining…

SuperheldenOrdnung

In den vergangenen 3 Wochen habe ich jeden Samstag den Superhelden in mir trainiert. Gemeinsam mit Inken und Jörn Hendrik galt es herauszufinden, was sind meine Superkräfte, wie möchte ich in Zukunft arbeiten. Neugierig, erwartungsoffen und den Fahrplänen der Deutschen Bahn vertrauend – also zu spät –  machte ich mich auf den Weg nach Hamburg. Mich erwarteten zwei offene, sehr sympathische Superhelden-Trainer und eine bunt gewürfelte Mannschaft Trainingswilliger. Keine Frage – in den insgesamt ca. 22 Stunden entstand Chaos in meinem Kopf: Was will ich eigentlich wirklich, mache ich es so oder doch besser anders, soll ich abzweigen und falls ja, in welche Richtung? Und natürlich gab es Hausaufgaben. Ich zitiere:

„Kleide dich für Samstag bitte so, als ob du einen wirklich wichtigen Kundentermin oder ein Vorstellungsgespräch hast.“

Ich erinnerte mich – Vorstellungsgespräch, das waren doch diese Gelegenheiten, bei denen man von den dunklen Seiten der eigenen Persönlichkeit ablenkte, indem man seine hellen Seiten alles überstrahlen lässt. Ich machte mich also auf, um meinen Make-Up-Vorrat Reste aufzurüsten. Das letzte fundierte Verkaufsgespräch, das ich zu diesem Thema geführt hatte, lag ziemlich genau 9 Jahre in der Vergangenheit. Die Tiegel und Töpfe, die ich damals erstanden hatte, waren im Laufe der Monate und Jahre von Knisterbadtüten, Lillyfee-Shampoos und abgelaufenen Sonnencremeflaschen in die hinteren Bereiche des Badezimmerschrankes verdrängt worden. Da führten sie ein sorgenfreies und unbehelligtes Leben.

Die Dame in der Parfümerie meines Vertrauens fragte, was ich denn benutzte im Alltag. Das war mit 3 Worten erklärt. Wie alt die Sachen denn seien, die ich so benutzte, hakte sie nach. Glücklicherweise hielt ich die Antwort wage. Ich lernte viel über die Lebensdauer von Kosmetika und dass diese lächerlich kurz zu sein scheint, im Vergleich zu meiner Lebenserwartung an dererlei Produkte. Das Concealer-Döschen, welches 1 Woche zuvor aus dem Schrank gefallen war und sich böse am Deckel verletzt hatte, tauchte auf vor meinem inneren Auge. Hatte ich doch bisher vermutet, dass dieser Versuch, sein Leben auf unseren Badezimmerfliesen hinter sich zu lassen, der Sinnlosigkeit seines Daseins geschuldet wäre. Jetzt wurde mir schlagartig klar, dass war Altersschwäche. Ich erstand also neue, dem zarten Babyalter knapp entwachsene Kosmetika und transportierte sie nach Hause. Dann stellte ich mich dem Badezimmerschrank. Ich entfernte sämtliche Sonnencremereste der vergangenen Jahre, beerdigte respektvoll das Concealer-Döschen und entriss dem Schrank die Haarsprayflasche, die bereits eine untrennbare Liaison mit der Schrankrückwand eingegangen war. Von etwas Schrankrückwandfarbe mussten wir uns deshalb ebenfalls verabschieden. Zurück blieben nur die Neuanschaffungen und Dinge, die wir täglich benutzen. Nun gilt es die innere Ordnung des Badmöbels auf meine innere Ordnung zu übertragen. Und hier schließt sich der Kreis.

Nach 3 Wochen Superheldentraining lagen anfangs viele Ideen, Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche auf einem anarchistischen Haufen, schrien wild Durcheinander und alle versuchten sich rücksichtslos in die 1. Reihe zu drängeln. Allmählich kehrt nun etwas Ruhe ein. Den Schwächeren unter ihnen ist bereits die Puste ausgegangen. Die stärkeren Ideen, klopfen sich gerade den Kampfstaub vom Körper, richten sich das Haar (ohne Haarspray) und erheben sich. Ich werde also noch ein paar Wochen aussortieren, beerdigen und losreißen müssen, um dann den nächsten Schritt zu machen.

Ich wurde am Ende des letzten Tages gefragt, warum ich das Superhelden-Training weiter empfehlen würde. Meine Antwort lautet: Weil es, wenn man sich drauf einlässt, einem ganz viel Kraft und Mut gibt, zuversichtlich am nächsten Schritt zu arbeiten. Und dafür bedanke ich mich bei Inken und Jörn Hendrik und 19 weiteren Trainierten für Lob und Kritik, Anregungen, Ideen und dass sie die richtigen Fragen liefern. Mein persönliches Fazit nach 3 Wochen Abenteuer Deutsche Bahn, Murren einiger Familienmitglieder und furchtbar kurzen Wochenenden sind Zuversicht, Kraft, Bestärkung und viele neue nette Kontakte, die ich jetzt schon nicht mehr missen möchte und falls ich mir was wünschen darf, hoffentlich auch nicht muss. Drückt mir die Daumen.

Herzliche, stürmische Grüße,

Martina

3 Gedanken zu „Innere Ordnung beginnt im Badezimmerschrank oder Superheldentraining…

  1. Jörn Hendrik sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Beitrag und den Blick in deinen Badezimmerschrank. Großartig. Hätten wir gewußt, dass drei Samstage derartige Reaktionen auslösen, wir hätten dir auch die passende Wandfarbe besorgt. 🙂

    Von Herzen freut mich, dass du den Bahnstress auf dich genommen hast und uns beehrt hast. Es war wunderbar, dir förmlich beim Entwirren und Sortieren zuzugucken. Möge dir die neugewonnene Kraft und der Mut nie ausgehen. Und solltest du mal zweifeln, mach deinen Badezimmerschrank auf.

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