Ich werde überschätzt…

Montagsschreiber

Heute Nachmittag waren wir verabredet. Neben den beiden hier im Haus ansässigen Kinder sollte ich 3 weitere nach dem Kindergartentag mit zu uns nehmen. Zwei sind Schulkinder – sie sind mobil mit Fahrrad und Kickboard.  Das Problem sind die drei Jüngsten der Gruppe. Natürlich könnten sie die Strecke laufen – nach meiner Einschätzung. Natürlich können sie die Strecke auf keinen Fall laufen – nach Einschätzung unseres jüngsten Familienmitglieds. Ihr Lösungsvorschlag lautete: ein Kind (vorzugsweise sie) sitzt vorne im Kindersitz, ein Kind wird auf den Sattel gesetzt und da ich dann ja ohnehin schieben muss, kann das dritte Kind doch auf meinen Schultern sitzen. Ich musste das leider ablehnen, ich bin nicht Herkules und werde kräftemäßig offensichtlich von mindestens einem unserer Kinder deutlich überschätzt.

Gegen 16.15 Uhr betreten wir zu sechst das Haus. Zum Ärger der beiden Schulkinder hatte sich die Hoffnung zerschlagen, die drei kleineren Gruppenmitglieder an einen anderen Haushalt zu verklappen. Da das bisschen Sonne, die heute nach gefühlten Wochen endlich wieder schien, nicht als Grund ausreichte, um draußen zu spielen, mussten sich die fünf sinnvoll auf zwei Spielzimmer verteilen. Für das eine Zimmer gab es schnell eindeutige Zutrittsbeschränkungen (siehe oben).

Die Kleingruppe unter 5 Jahren spielte friedlich Vater, Mutter, Kind, bis sich die „Mutter“ abspaltete, um über ein Abendessen für sich und ihre Geschwister bei uns zu verhandeln. Ich erwiderte, dass mir das heute nicht passe. Ich hätte keine Lust, den Tisch zu verlängern,  Stühle durch das Haus zu tragen und anschließend alles wieder zurück zu bauen. Wir verfügen leider nur über einen Esstisch, der im Regelzustand 5 Sitzplätze anbietet. Ich bedaure das des Öfteren, mein Mann hält das aber für keinen hinreichenden Grund, um über den Kauf eines neuen Hauses nachzudenken. Aber das ist ein anderes Thema. Unser Gast überprüfte das von mir vorgebrachte Argument indem sie die Anzahl der vorhandenen Sitzplätze mit der Zahl der Kinder abglich und sah keinerlei Engpässe: fünf Stühle für fünf Kinder, alles bestens. Ich gab zu bedenken, dass mein Mann und ich auch gerne einen Platz hätten. Daraufhin wurde mir mitgeteilt, wir könnten doch im Anschluss essen, wenn mindesten zwei der Kinder mit dem Abendbrot fertig seien. Ich musste auch das leider ablehnen. Ich werde von fremden Kindern hinsichtlich meiner Geduld und Selbstlosigkeit deutlich überschätzt…

Ein Gedanke zu „Ich werde überschätzt…

  1. Annika sagt:

    Liebe Martina,
    was bin ich froh, das Du zu unserem Workshop gekommen bist – wer weiß wann ich sonst auf Deinen wunderbaren Blog gestoßen wäre. Da ich selber gerne leidenschaftlich male, in den letzten Jahren nur die Zeit dazu manchmal fehlte, bewundere ich Deine Illustrationen! Und ebenso herrlich geschrieben!
    Ich komme wieder – regelmäßig. Werde Dich gleich in meine abendliche Blogrunde aufnehmen.
    Großes Kompliment für diesen wirklich wunderschön gestalteten und sehr unterhaltsamen Blog (an dieser Stelle Gruß an das jüngste Familienmitglied…herrlich!)
    GLG Annika

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