Gespräch

Als ich heute Morgen …

… den Mülleimer von der Küchenaußenfensterbank nehme, sieht er verschnupft aus.

Ich: „Was hast du denn? Hattest du eine schlechte Nacht?“

Mülleimer: „Was glaubst du denn? Meinst du es ist lustig, hier draußen auf der Fensterbank zu stehen?“

Ich: „Keine Ahnung. Ich habe noch nie auf der Küchenaußenfensterbank die Nacht verbracht. Du passt da doch prima hin, mir wäre es zu schmal.

Mülleimer: „Ja, ja, vielleicht mal ein bisschen weniger Schokolade…“

Ich: „Nun werd‘ mal nicht frech. Ich kann mir auch durchaus andere Orte für einen dauerhaften Verbleib deinerseits vorstellen. Wertstoffhof fiele mir da spontan ein. Wie kommst du überhaupt darauf?“

Mülleimer: „Was glaubst du, wo die Schokoladenpapierpackungen alle bleiben?“

Ich: „Ach ja, stimmt. Hast du mitgezählt?“

Mülleimer: „Klar, in der letzten Woche waren es …“

Ich: „Danke, das interessiert hier sowieso keinen. Was war denn jetzt so schlimm auf der Fensterbank?“

Mülleimer: „Alle haben mich angestarrt. Keiner hat so geschaut als dächte er, oh, was für ein wunderschöner kleiner Eimer da draußen auf der Fensterbank. Einige haben die Stirn gerunzelt, die Nase gerümpft und den Kopf geschüttelt. Sicher haben sie gedacht, igitt, wie muss der Eimer stinken, wenn er die Nacht draußen verbringen muss.“

Ich: „Ach je Du Armer. Die haben sicher gedacht: Mann, mann, mann, kann die ihren Müll nicht mal bis zur Mülltonne tragen, muss sie ihn für jedermann sichtbar, prominent vorm Haus lagern? Wo soll das nur hinführen? Früher hätte es das nicht gegeben.“

Mülleimer: „Warum musste ich denn nun unbedingt draußen bleiben?“

Ich: „Weil du seit Tagen einer Trilliarde von Fruchtfliegen scheinbar als Luxusunterkunft und sicherer Basis zum Besiedeln unsere Küche dienst. Ich teile das Haus nur ungern mit Myriaden von Zweiflüglern, die mir ständig vor der Nase rumschwirren und sich auf alles setzen, was ansatzweise fruchtig riecht.“

Mülleimer: „Aber das ist doch nicht meine Schuld, dass ihr immer die Obstreste in mir entsorgt.“

Ich: „Siehste Schokoladenpapier macht nicht solche Probleme… Aber stimmt, deine Schuld ist das nicht. Es war so bequem, dich einfach vor das Fenster in die kühle Nachtluft zu stellen. Jetzt haben alle Fliegen bestimmt einen ordentlichen Schnupfen und müssen Tage lang das Bett hüten und können nicht in der Küche herumfliegen.“

Mülleimer: „Hatschi.“

Ich: „Gesundheit. Es tut mir leid. Ich mache dir jetzt mal eine frische Tüte und eine schöne heiße Zitrone. Die Zitronenreste bringe ich zum Kompost. Gute Besserung.“

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3 Gedanken zu „Als ich heute Morgen …

  1. Emmygunde sagt:

    Liebe Martina,

    ich maaag Deine Mülleimergeschichte. Die hätte ich gerne als Bilderbuch.
    (Ich ertappe mich nämlich gerade dabei, die Geschichte zum x-ten Male aufzurufen.)

    Deinen Magnetbuchstaben geht es übrigens phantastisch, ich freue mich jeden Tag, wenn Sie mich morgens vom Türrahmen aus begrüßen 🙂

    Liebe Grüße aus dem Spatzennest.

    • mottenkönig sagt:

      Liebe EgS,

      ich danke Dir. Ich habe dem Mülleimer von Deinem warmen Kommentar erzählt und er platzt vor Stolz. Innerlich grinse ich bei dem Gedanken an ihn als Protagonisten in einer Bilderbuchgeschichte. Er ist blau, alt und mit Riss, weil ich den Kaffeehalter der Espressomaschine zu doll auf seinen Rand geknallt habe. Und ich freue mich, dass es den Magnetbuchstaben gut geht und Dir gut mit ihnen. So sollte es sein. Habt lange Freude aneinander.

      Viele liebe Grüße ins Spatzennest, Martina

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